Meisterstück – „Meistertrunk“
925/000 Silber, Bergkristall, Hirschgeweih
von David Wöhrl zum Meister des Gold- und Silberschmiedehandwerks
Historie
In der Zeit des 16. und 17. Jahrhunderts, einer Ära des gesellschaftlichen Zechens, erhielten Trinkgefäße eine neue Bedeutung. Gerade das 16. Jahrhundert gilt als „Saufzeitalter“ der Deutschen. Durch Gebräuche und Rituale wie „Zutrinken“ oder „Sturzsaufen“ und da Wasser oft verunreinigt war, ist die Bedeutung von alkoholischen Getränken für die Gesellschaft von großem Wert gewesen.
Die Trinkgefäße der Hochrenaissance oder des Barocks, seien es prächtige Pokale, kunstvolle Kelche oder reich verzierte Becher, waren mehr als nur Behältnisse für Wein oder Bier. Sie waren Symbole der Geselligkeit, Gemeinschaft und Freundschaft und Ausdruck des neuen Standesbewusstseins des Bürgertums. Das wertvolle Edelmetall Silber als Werkstoff erlangte durch seine Kostbarkeit und seiner oligodynamischen Wirkung immer größere Bedeutung. Somit wurden daraus gefertigte Trinkgefäße Zeichen der Repräsentation und Zeugen handwerklicher Meisterschaft. Die Kunst der Metallverarbeitung erlebte eine Blütezeit.
Gestaltung Meisterstück
Bei meiner Auseinandersetzung mit Trinkgefäßen, mit denen Feste zelebriert werden, stieß ich automatisch auf die Zünfte und ihre Bräuche. Die Verabschiedung eines neuen Meisters ist ein Grund zu feiern. Um das in einem standesgemäßen Rahmen zu können, bedarf es eines Gefäßes das die nötigen Voraussetzungen erfüllt.
Für mein Meisterstück habe ich mir die Aufgabe gestellt, das Thema „Maßkrug“ in einen zeitgenössischen Kontext zu setzen und eine Verbindung zwischen historischem Vorbild und heutigen Standard zu schaffen.
Diese Fragestellung brachte mich zu einem gestalterischen Ansatz, der beides miteinander kombiniert.
Die Außenzarge meines Meisterstücks lehnt sich mit ihrem Kreisdekor, das leicht aufsteigend die Fläche umschließt, an die Augen eines gläsernen Maßkruges an, wie man ihn heute gebräuchlich in Festzelten findet. Dieses zitiert die Dellen des Festzeltgefäßes als eine Durchbruchsarbeit in Kreissegmenten.
Die Brücke in die Zeit des 16. und 17. Jahrhunderts schlägt der Maßkrug mit einer klaren Eingrenzung der Außenfläche durch einen Sägeschnitt und eine Schattenfuge und dem Wechsel von matten und polierten Flächen. Hinter den Durchbrüchen liegt ein patinierter und überpolierter Strukturhammerschlag, der mit seiner Tiefenwirkung an fein gravierte und ziselierte historische Gestaltung erinnert.
Die damaligen aufwendigen Oberflächendekore kommen heute in Museen durch ihre fast schon romantische Patina wunderbar zur Geltung. Ganz natürlich sind die erhabenen Stellen hell und glänzend und die Vertiefungen dunkel und matt. Oftmals sind diese Gegensätze bewusst durch Schraffuren und Polituren schon von den damaligen Meistern so angelegt worden. Es ist auch ein Zeichen dafür, dass diese Stücke in Gebrauch waren. Die hohen Stellen an denen die Gefäße eine Berührung erfahren und nach Verwendung sorgfältig abgerieben worden sind bleiben durch die stete Benutzung poliert und hell.





















